Veranstaltung 2011

 

"...mehr als nur ein Kampf der Waffen"
Der Überfall auf die Sowjetunion 1941 aus deutscher und russischer Sicht

Sonntag, 19. Juni 2011, 11 Uhr

Podiumsdiskussion anlässlich des 70. Jahrestags des Überfalls auf die Sowjetunion mit
Prof. Dr. Vladimir Vsevolodov, Professor für Geschichte an der Akademie für Militärwissenschaften Moskau
Dr. Jörg Morré, Direktor des Deutsch-Russischen Museums Berlin-Karlshorst

Moderation und Einführung: Ekaterina Makhotina, Ludwig-Maximilians-Universität München

Am 22. Juni 2011 jährt sich der deutsche Überfall auf die Sowjetunion zum siebzigsten Mal.
Deutschland überraschte mit dem Angriff auf breiter Front die Großmacht im Osten, die seit der Unterzeichnung des "Hitler-Stalin-Pakts" im August 1939 als Verbündeter des Deutschen Reiches gegolten hatte. Dem auf deutscher Seite von Anfang an ideologisch und rassenbiologisch geprägten Vernichtungskrieg fielen in der Sowjetunion über 25 Millionen Menschen zum Opfer.

Es überrascht somit nicht, dass die Erinnerung an diesen Krieg bis heute eine der schmerzhaftesten überhaupt ist. Im Rahmen der Podiumsveranstaltung sprechen zwei Experten zur Kriegsgeschichte und den deutsch-russischen Beziehungen über die unterschiedlichen Perspektiven auf diesen Krieg und seine erinnerungskulturelle Bedeutung im Wandel der Zeit.

Die Veranstaltung findet zweisprachig statt. Eine Simultanübersetzung vom Russischen ins Deutsche steht zur Verfügung.

 

 

Benjamin Ferencz bei der Eröffnung des Memoriums Nürnberger Prozesse.

Friede durch Recht? - The Crime of Aggression

Mittwoch, 3. August 2011, 19 Uhr

Vortrag von Benjamin Ferencz

Benjamin Ferencz, geboren 1920 in Siebenbürgen, sammelte während des Zweiten Weltkriegs als Mitglied der neu gegründeten War Crimes Branch der US-Armee Beweismaterial für die Kriegsverbrechen der Deutschen. Nach dem Krieg wurde er erst 27-jährig zum Chefankläger des Einsatzgruppenprozesses in Nürnberg ernannt. Diese Arbeit prägte ihn für sein Leben. Wieder zurück in den USA setze er sich aufgrund seiner Erfahrungen in Nürnberg bei Politikern und Einrichtungen in aller Welt intensiv für die Einrichtung eines Internationalen Strafgerichtshofes ein.

Als Zeitzeuge des Nürnberger Prozesses propagiert Ferencz in seinem Vortrag, das Verbrechen des Angriffskrieges (Crime of Aggression) weltweit zu ächten. Dieser wurde 2010 in einem Zusatzprotokoll des Rom-Statuts - dem völkerrechtlichen Vertrag von 1998 zur Schaffung des Internationalen Strafgerichtshofes in Den Haag - als Tatbestand definiert. Dennoch bleibt Ferencz pessimistisch, was die tatsächliche Verankerung dieses Punktes im Statut betrifft.

Eine Veranstaltung des Gründungsbüros Internationale Akademie Nürnberger Prinzipien.

Der Vortrag findet in englischer Sprache statt. Der Eintritt ist frei, Platzkarten sind ab sofort im Memorium Nürnberger Prozesse an der Kasse erhältlich.

 

 

Schaustück des Monats September 2011: Anklagebank der
Nürnberger Prozesse, 1945.

Schaustück des Monats September 2011
Anklagebank der Nürnberger Prozesse

Dan Kiley
Nürnberg, 1945
Holz und Eisen

Die museen der stadt nürnberg haben für ihre interessierten Besucher ein spezielles Angebot entwickelt und öffnen dafür seit Juli 2007 ihre "Schatztruhen": Einmal im Monat wird in einem der städtischen Museen ein herausragendes Exponat ins Rampenlicht gestellt und näher beleuchtet. Der September ist der Anklagebank der Nürnberger Prozesse aus dem Jahr 1945 gewidmet, die vom 1. bis zum 30. September 2011 im Memorium Nürnberger Prozesse als Schaustück präsentiert wird.

Am 20. November 1945 begann im Schwurgerichtssaal des Nürnberger Justizpalastes der Prozess gegen die "Hauptkriegsverbrecher" des Zweiten Weltkriegs. Bis zum 1. Oktober 1946 mussten sich hier die führenden Köpfe des NS-Regimes vor einem internationalen Gericht für ihre Taten verantworten. Zur Durchführung des Prozesses im Justizpalast Nürnbergs waren dort zahlreiche Instandsetzungs- und Reparaturarbeiten nötig. Dazu zählte auch die Möblierung des Gerichtssaals. Der amerikanische Architekt Dan Kiley erhielt von der US-Armee den Auftrag, den Schwurgerichtssaal dem Verfahren angemessen "einheitlich, ordentlich und würdevoll" einzurichten. Das alte, ausladende Mobiliar von 1916 wurde entfernt und durch eine funktionale und kantige Einrichtung ersetzt. Im Zuge dessen entstand auch die Anklagebank, bestehend aus vier schlichten Bänken aus Holzbrettern, die von einer Eisenkonstruktion getragen wurden und einfache Rückenlehnen aus je zwei Holzbrettern besaßen. Zwei dieser Bänke sind erhalten und im Memorium Nürnberger Prozesse ausgestellt.

Für interessierte Museumsbesucher, die mehr über das Werk, seine Geschichte und die Hintergründe der Entstehung erfahren möchten, haben sich die städtischen Museen ein ganz besonderes Serviceangebot einfallen lassen:

Im Rahmen der Präsentation des September-Schaustücks bietet Henrike Zentgraf M.A., Kuratorin des Memoriums Nürnberger Prozesse, zwei kostenlose Spezialführungen an:

Termine

Montag, 5. September 2011:
16 Uhr
Mittwoch, 21. September 2011:
16 Uhr

Aufgrund der beengten Räumlichkeiten im Memorium Nürnberger Prozesse können dieses Mal jeweils nur maximal 20 Personen an den Schaustück-Führungen teilnehmen. Die Besucher werden gebeten, sich im Memorium Nürnberger Prozesse unter Telefon (0911) 321 - 79 37 2 für die Führung anzumelden.

 

 

Sonderausgabe der "Süddeutschen Zeitung" vom 1. Oktober 1946.
© Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände

65 Jahre Urteil von Nürnberg

Vortrag von Prof. Dr. Florian Jeßberger

Freitag, 30. September 2011, 18.30 Uhr

Am 30.9. und 1.10.1946 verkündeten die Richter des Internationalen Militärgerichtshofs ihre Urteile über die Angeklagten des "Hauptkriegsverbrecherprozesses". Die veränderte Rezeption der Verfahren bedingt durch den zeitlichen Wandel sowie erst später bekannt gewordene Informationen lassen heute einige Urteilssprüche in anderem Licht erscheinen als 1946. Anlässlich des 65. Jahrestags beleuchtet Prof. Dr. Jeßberger, Experte für Juristische Zeitgeschichte an der Universität Hamburg, diese unterschiedlichen Perspektiven und zeigt die heutige Bedeutung des Urteils von Nürnberg.

 

 

Chefankläger Robert H. Jackson formulierte in seiner Rede vor dem Nürnberger Tribunal
Grundsätze, die heute noch gültig sind.
© National Archives, College Park, MD, USA

Das Vermächtnis von Nürnberg und seine Zukunft

Öffentliche Abendveranstaltung

Freitag, 21. Oktober 2011, 18.30 Uhr

Dr. Hans-Peter Kaul, Vizepräsident des Internationalen Strafgerichtshofes, spricht über die aktuellen Herausforderungen der internationalen Strafgerichtsbarkeit in der Praxis.

Professor John Q. Barrett von der St. John's University School of Law in New York erläutert die historischen Grundlagen des Völkerstrafrechts ausgehend von den Nürnberger Prozessen.

Professor Christoph Safferling, Sprecher der Wissenschaftlichen Gründungskommission, präsentiert die Ergebnisse der Projekt- und Machbarkeitsstudie zur Gründung der Internationalen Akademie Nürnberger Prinzipien.

Die Veranstaltung findet in deutscher und in englischer Sprache statt, eine Übersetzung steht nicht zur Verfügung.

Der Eintritt ist frei!

Anmeldung zur Veranstaltung unter:
Tel: (0911) 231 - 14 207
Fax: (0911) 231 - 14 210

Veranstaltung in Kooperation mit dem Gründungsbüro "Internationale Akademie Nürnberger Prinzipien".

Gründungsbüro Internationale Akademie Nürnberger Prinzipien

 

 

Eine ehemalige "Adolf-Hitler-Straße" erhält wieder ihren alten Namen.
© Center of Military History, United States Army

Die Entnazifizierung

Vortrag von Dr. Rochus Castner

Sonntag, 23. Oktober 2011, 11 Uhr

Ziel der von den Alliierten beschlossenen Entnazifizierung war, das politische, wirtschaftliche und kulturelle Leben in Deutschland von Nationalsozialisten und Militaristen zu säubern. Über sechs Millionen Westdeutsche mussten sich ab Juli 1945 Verfahren vor den dafür eingerichteten Spruchkammern unterziehen. Diese verhängten über weniger als 200.000 Aktivisten Sühnemaßnahmen wie Gefängnis, Vermögenseinziehung, Amtsverlust, Berufsverbot oder Geldbußen und stuften den Rest als "Mitläufer" oder "Entlastete" ein - für Kritiker eine Farce der zu "Mitläuferfabriken" mutierten Spruchkammern.

Dr. Rochus Castner, Pädagoge und Bildungsreferent, stellt anhand einiger exemplarischer Fälle, auch aus Nürnberg, die umstrittene Praxis der Spruchkammern dar.

Eintritt: 7,00 EUR.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Bildungszentrum im Bildungscampus der Stadt Nürnberg.

Bildungszentrum der Stadt Nürnberg